Reise-Report vom 15.-27. Januar 2008 nach Johannesburg / Südafrika und Inhambane / Mosambik

Wir brachen auf nach Inhambane (Mosambik) um eines der letzten Abenteuer zu finden, die es für Erholungssuchende, Aussteigewillige und Unterwasserfreaks zu suchen gilt. Will man selbst zu sich finden, muss man abenteuerliche Dinge tun!

Aus unserer gewohnten Welt auszubrechen, begann mit einer Zugfahrt von Zwickau, Gera, über Weimar nach Frankfurt Flughafen. Ein kleiner Buchungsfehler brachte es mit sich, dass wir den ICE nicht gemeinsam besteigen durften, sondern um eine Stunde versetzt fahren mussten, jeder allein für sich in einem nahezu leeren Zug! Wir ahnten hier noch nicht, wie drastisch im Gegensatz zur deutschen Bürokratie afrikanische Gesetzlosigkeit zu bewerten sei!

Dies wurde uns im Flieger nach Johannesburg (Südafrika) von Deutsche Lufthansa gleich wieder vor Augen geführt. Trotz hoffnungsloser Überbuchung, weinender Kinder und übervoller Gepäckfächer verblieb die Business-Klasse nahezu verwaist und das “einfache” Volk drängte sich in viel zu enge Sitzreihen, die wohl eher für schlanke Afrikaner konzipiert waren, als für gut genährte, luxusverwöhnte Europäer. Doch wir sollten uns diesen Komfort noch einmal zurückwünschen, denn in Afrika fliegen nicht so viele Jumbo-Jets!

Wenn Afrikaner fliegen, dann stets mit Verspätung und mit in pausenloser Wartung befindlichen kleinen Flugzeugen. Fünf Stunden zu spät bestiegen wir eine “Jetstream 41”, eine alte Propellermaschine mit 29 Sitzplätzen, der Pilot kurz vor der Pensionierung mit seinem jungen schwarzafrikanischen Co-Piloten und einer noch jüngeren Flugbegleiterin, die gut des Piloten Enkelin hätte sein können. Viel zu viel Personal für nur fünf Reisegäste, deren Übergepäck beim Check-in keine große Rolle spielte! LAM war der Name der Fluggesellschaft und so erhob sich auch der Zweipropeller, doch wir sollten uns sputen, denn “Inhambane Domestic Airport” ist nur bei Tageslicht anzufliegen, da keine elektrische Pistenbeleuchtung vorhanden!

Wie auf einem samtweichen Teppich entlang aufsteigender Rauchsäulen schwebten wir über schneeweißen Wolken dem Meer entgegen, mit Whisky-Cola und Bier im Blut, die unsanfte Landung erwartend. Mit Öl brennende Landefeuer wiesen uns den Weg hin zur Start- und Landebahn, der einzigen bitumierten Strasse mitten im Busch. Gerade breit genug, um unseren “Privat-Jet” zu wenden und Kurs auf den Hauptterminal zu nehmen, der der Größe einer Doppelgarage entsprach. Stolze 34 Rand (3,50 EURO) Flughafensteuer waren zu entrichten, Einreiseformalitäten zu erledigen und ab in den Jeep, der zu unserer Abholung bereits fünf Stunden auf uns wartete.

Tiefste Nacht und noch immer 31 Grad Celsius begleiten uns auf dem Weg in´s “Guinjata Bay-Resort”, vorbei an Inhambanes Hauptmarkt, wo sich hunderte, dem Busch für kurze Zeit entflohene Schwarz-Afrikaner in meist weißen Roben und Gewändern am Straßenrand tummelten. Die Strasse sei schlecht, hieß es, was nur soviel bedeutete, dass ohne Allrad und gute Bremsen kein Durchkommen war. Fast eine Stunde nahmen die nur dreißig Kilometer in Anspruch, kleine Straßensperren und umher treibende Ziegenherden inbegriffen. Nun waren wir endlich angekommen - ein Ressort bestehend aus “Casas” und “Baracas” für ca. 450 Besucher und Urlauber. Die Saison war jedoch schon vor zwei Wochen zu Ende gegangen und wir nun die zwei einzigen Taucher im Revier!

“Casa 19” heißt nun für acht Tage, gänzlich abgeschnitten von allen Annehmlichkeiten europäischer Zivilisation, unser neues Zuhause. Eine Palmenhütte für acht Personen, und unzählige kleine bzw. auch größere Bewohner! Unter freiem Himmel zu schlafen, hätte vielleicht sogar den Vorteil nicht so stickiger Luft gehabt. Da uns auf der Herfahrt von der Erstklassigkeit der hiesigen Ärzte oder doch lieber “Medizinmänner” berichtet wurde, was die Bekämpfung der Malaria betrifft, sollte uns bezüglich der hunderten Mückenstiche in dieser Nacht nicht Bange werden! Eingepackt in zwei Decken zerliefen wir im eigenen Saft und wachten Minuten später wieder durch die summenden und stechenden Leidensbringer auf. Gegen zwei Uhr nachts half nur noch eine abkühlende Dusche gemeinsam mit Geckos, Tausendfüssler und anderen Tieren, älterer Abstammungsgeschichte. Auf der Terrasse sitzend und dem Rauschen des Meeres lauschend, warteten wir auf die nächste Einschlafphase.

Der erste Morgen graute im afrikanischen Outback und uns vor dem Gang zum Spiegel. Unausgeschlafen und mit Einstichen übersät, erwartete uns zum Frühstück ein löslicher Kaffee und “englisch breakfast” . Sämtliche Sachen, Matratzen und Bettzeug verlagerten wir zum Trocknen auf die Terrasse und begaben uns in glühend heißem Sand zur Tauchbasis, bestehend aus Kobi, dem Tauchguide, Anton, unserem südafrikanischen Skipper und drei tiefstschwarzen Gehilfen.

Was uns nun erwartete, ließ jedoch alle bisherigen Umstände und Entbehrungen vergessen. Ein Schlauchboot für ca. 12-15 Taucher wurde für uns Zwei in´s Wasser gelassen und trotz dass wir es nur “Check-Dive” nannten, war dieser erste Tauchgang in Mosambik unser bisher vielfältigster Tauchgang überhaupt. Wir durchtauchten eine Höhle mit gläsernem Schwarmfisch, begegneten Muränen, riesigen Rotfeuerfischen, Sandaalen, Papierfischen, Nacktschnecken, Riesendrückern und zwei Sandhaien.

Von Mikro bis Makro - alles in nur 45 Minuten! Gute Sicht und Wassertemperaturen von 25 Grad Celsius zogen uns in ihren Bann. Was wird uns erst erwarten, wenn Walhaie, Mantas oder Delphine uns den Atem nehmen ?

Den Rest des ersten Tauchtages genossen wir bei gutem Essen, einheimischen Bier und erkundeten den Strand uns seine Umgebung. Ein Moskitonetz sollte die folgende Nacht dafür sorgen, dass wir am nächsten Morgen zeitig und ausgeruht die einstündige Bootsfahrt zum “Manta-Reef” antreten konnten.

Dieses Vorhaben schien aber bereits in der Nacht durch heftige Gewittergüsse davon gespült zu werden. Minutenlanges Dauergrollen, durch Wetterleuchten schon Stunden vorher angekündigt und sich wie aus Eimern auf unser wenig Vertrauen erweckendes Palmenwedeldach ergießendes Regenwasser, zwang uns kurz zur Schlafunterbrechung. Wasserränder auf dem den Sandboden bedeckenden Stoffbelag verrieten uns die zu erwartenden Schwachstellen der Dacheindeckung, die sich aber erstaunlich schnell wieder verschließen sollten. 

Diese Gelegenheit wurde gleich genutzt, um die Mücken, die sich mittlerweile im Inneren des Netzes befanden und auf Grund der enormen Blutmenge, die sie zu sich genommen hatten, nicht mehr durch die Löcher entkamen, durch die sie eingedrungen waren, kurzerhand ruhig zu stellen.

Sechs Uhr morgens hielt es uns Großfischjäger dennoch nicht mehr im Bett. Der Versuch war es wert, ohne Frühstück im Bauch die Lage am Strand zu sondieren. Der Sandboden war fest geworden und angenehm kühl, doch kein Mensch am Strand oder der Tauchbasis. Kein Wunder, denn die Dächer tropften nach wie vor in die um die Casas entstandenen Bachläufe und das Meer zeigte sich dunkel und aufbrausend.

Als wir dann doch im Boot saßen und der Himmel sich anschickte, einige Sonnenstrahlen in Richtung “Manta-Reef” zu senden, schlug unser Herz höher. Drei Putz-Stationen lagen auf unserem Weg und schon nach 10 Minuten erklang das erste Mal die Rassel. Ein 180 Grad-Blick und schon hatten wir seine Aufmerksamkeit auf uns gezogen. Majestätisch glitt ein am Rücken weiß-schwarz gezeichneter Manta-Rochen an uns vorüber. Gerade genug Zeit, uns an der Kante eines Felsvorsprunges einen Platz zum Festhalten zu suchen, ohne den nur zehn Zentimeter entfernt liegenden Steinfisch zu berühren und schon kam der Nächste. Eine Runde um den Erg und wieder kam er auf uns zu. Putzerfische wie aufgefädelt schien er uns, bewusst seiner Übergröße, protzig vorführen zu wollen und näherte sich bis auf Armlänge. Unfähig ihn zu berühren, verharrten wir wie gelähmt, umringt von Schwarmfisch, Muränen, Nacktschnecken, Drückern und Großkopfmakrelen. Ein Pärchen Anglerfische, riesig und unterschiedlich gezeichnet, schwammen frei zu ihrem Versteckplatz und schienen den Mantas den Hof zu machen. Nur ein ca. 1,20 Meter großer Kartoffelbarsch ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und genoss sichtlich unsere Aufmerksamkeit. Ihn zu streicheln war ebenso überwältigend, wie sich Tags zuvor von Schwärmen an Putzergarnelen die Hautschüppchen vom Handrücken entfernen zu lassen.

Das ist also das Geheimnis ungestörten Ozeanlebens: Unterwasserwelt zum Anfassen und Üppigkeit, wovon es in Mosambik sonst wenig gibt. Die Faszination Natur entbehrt nahezu jeglichen menschlichen Luxusgedanken!

Schnell noch einen Canyon auf dreißig Metern Tiefe durchtaucht, begleitet von einer frei schwimmenden Netzmuräne und auftauchen zum Sicherheitsstopp. Da erklang nochmals der Shaker und wie zum Abschied winkt uns Manta Nummer drei mit seinen Riesenschwingen vom Meeresboden zu. Nur zwei Tauchgänge, doch unser Logbuch ist mit Eindrücken gefüllt, wie sonst nach zwei Wochen Ägypten-Urlaub! Wenn denn nur morgen die Sonne wiederkäme, denn nur dann werden wir auf die großen schwarzen Flecken des Ozeans stoßen, deren Bekanntschaft zu schließen, das erklärte Ziel unserer Reise nach Inhambane ist. Wir genehmigten uns einen doppelten “Black-Label” mit Coke, oder waren es für jeden Manta einen ? In dieser Nacht schliefen wir wie lange nicht, irgendwie majestätisch!

Unser dritter Tag verlief hingegen nicht ganz so geplant, wie wir Deutsche das zu tun pflegen. Aber in Mosambik, weit weg von Zeitdruck und Erfolgszwang, läuft alles mit unendlicher Gleichgültigkeit. Jeder Tauchgang ist ein “Super-Dive”, auch wenn das vielleicht mal nicht so ist. Aber zurück zum Anfang:

Wieder ohne Frühstück, wir reduzierten unsere Mahlzeiten nunmehr auf das Breakfast nach dem ersten Tauchgang und Dinner gegen 18.00 Uhr im Rahmen des Breefings für den Folgetag, um von Tag zu Tag eine bessere Figur beim Einstieg in den Zodiak abzugeben, schoben wir dieses über die massiv zugenommene Brandung. “Green Tree” hieß das in den Navigator eingegebene Riff und hielt einen geilen Drift-Dive für uns bereit. Vorbei an Büschelkorallen und Felsvorsprüngen flogen die Fische nur so um uns. Rot-gelb gestreifte Meeresäpfel markierten unseren Weg, wie die Landefeuer Inhambanes Anflugzone.

Bei dieser Strömung muss doch Großfisch zu sehen sein! Und tatsächlich: Zehn Meter entfernt zog ein mittelgroßer Schwarzspitzen-Riffhai seine Bahn und ein großer Zackenbuntbarsch mahnte zum rechtzeitigen Aufstieg. Soweit so gut, doch wir hatten Blut geleckt und wollten nun auf den Walhai stoßen!  Unser Ungeduld sollte sich aber heut rächen. Erst kreuzten wir 1000 Meter vor der Küste auf und ab, verbrannten uns dabei die nur leicht behaarte Kopfhaut, Nase , Nacken und Ohren und konnten dabei den ästhetischen Anblick unseres “kleinen” Haies gar nicht mehr recht genießen. Als uns dann noch von der, in unserer Bucht aufgekreuzten riesigen Delphinherde berichtet wurde, die wir um nur wenige Minuten verpassten, stieg unser Frust noch weiter an. Da konnte das vorzügliche Essen und das kühle, einheimische Bier an diesem Tag auch nichts mehr ändern!

Nun setzten wir zwei Tauchgänge für die Folgetage fest, um die Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen und noch mehr zur körperlichen Fitness beizutragen. “Disney-Land” versprach uns garantiert Schildkröten und hielt sein Versprechen. Zwei von denen warteten bereits am Einstieg auf uns und wiesen den Weg hin zur Kinderstube des Riffes. Eine Langnasenbüschelbarsch-Mutti verteidigte engagiert ihr Junges und ganze Clownfisch-Familien spielten im Anemonenwald. Getrieben von der wogenden Strömung, die bei uns Tauchern zum Teil zu Übelkeit führte, patrouillierten uns Igelfische und Dickkopfmakrelen. Schwarmfische versteckten einen Kartoffelbarsch und stoben im Zick-Zack auseinander, als wieder ein Riffhai seine kraftvollen Schwingungen im Wasser und damit einen Hauch von Gefahr verbreitete.

Nach dem ausgedehnten Frühstück, welches neben Rührei, verschiedenen Burgern auch Steak mit Paprikasoße bereit hielt, ging es wieder zum “Local-Reef”, welches auf Grund der geänderten Strömungsverhältnisse das “Colesseum” für uns bereithielt. Hier wurde uns wieder klar, wie fischreich das Rote Meer vor zwanzig Jahren gewesen sein muss! Die fehlende Überfischung verleiht hier Schaukelfischen die Größe von Rotfeuerfischen und Nacktschnecken, Papierfische, Froschfische, Langnasendoktor- uns Steinfische begegnen die bei nahezu jedem Tauchgang in unendlich scheinender Farbvielfalt. Da wundert es wenig, dass die Korallen kaum Zeit zum Wachstum haben und teils wie abgegraste Weiden erscheinen.

Heere von Langusten verstecken sich unter Felsvorsprüngen und verraten sich durch die weit herausgestreckten Fangarme. Abends sollten wir erfahren, dass sie nicht nur faszinierend anzusehen sind, sondern unter ihrem Panzer sehr wohlschmeckendes Fleisch verbergen.

Vor dem Ausstieg noch einen kurzen Blick in eine Höhle und was war das ? Zwei dicke, wulstige Lippen an denen Fleck für Fleck ein 1,80 Meter großer Riesen-Zacki hing! Geschmeidig wendete er und schwamm dem Höhlenausgang zu. Dort wartete unser Kameramann, um auf den Auslöseknopf zu drücken. Aber leider, der Blitz blieb aus, die Batterien waren leer geknipst. Gut für unseren gewichtigen Freund, dem diese Erfahrung für heute erspart blieb!

Und wieder war ein erlebnisreicher Tauchtag beendet. Zurückgelehnt und durch die offenen Fenster des Restaurants den sich im Meer widerspiegelnden Mondschein genießend, genehmigten wir uns das zur Tradition gewordene Dekobier und beobachteten die durch langsam aufziehende Wolken entstehenden    

schwarzen Flecken auf der Meeresoberfläche. So muss es wohl aussehen, wenn Walhaie am Boot vorbeiziehen!

Der nun folgende Tag sollte uns wohl den bisher aufregendsten Tauchgang bieten, wenn auch, und das sei an dieser Stelle bereits vorweggenommen, damit nicht die Begegnung mit einem Walhai gemeint ist. Wir entschlossen uns, abermals “Manta-Reef” anzutauchen, diesmal eine Stund später, um rechtzeitig zum Unterwasser-Frühstück zu erscheinen. Schon beim Abtauchen wimmelte es nur so an Großfisch. Wir mussten regelrecht aufpassen, nicht auf dem Rücken eines Mantas aufzuschlagen! Zielgerichtet suchten wir uns eine Riffkante und sahen dabei eine Schwarzspitze abdrehen. Umringt von immer wieder auftauchenden Mantas ertönte erneut der Shaker, nur diesmal laut und eindringlich, einen Hauch von Gefahr aufzeigend. Über das Riffdach schwebend, hielt ein Gitarrenhai, auch Sandhai genannt, Kurs auf uns zu. Diese Exemplar zählte wohl zur Spezies “ausgewachsen”, denn in nur  zwei Metern Entfernung glitt er über uns hinweg und hinterließ mit seinen 2,50 Meter Länge einen unvergesslichen Eindruck! Von diesem Schock erholt und zur normalen Atmung zurückgefunden, setzten wir unseren Tauchgang fort, immer vorsichtig genug, nicht die Bahnen der Mantas, an denen Büschel von Putzerfischen hingen, zu durchkreuzen.

In einer weit geöffneten Höhle lag ganz offen ein noch schlafender Stachelrochen, der uns kurz an den Tod des Krokodil-Hunters Steve Irvine erinnerte und an die Gefahren, denen wir uns stets bewusst aussetzten. Auf einer Sandfläche stießen wir dann auf ein weitere Highlight, eine spanische Tänzerin, die von Kobi, unserem Südafrikanischen Tauchguide, liebevoll in die Hand genommen wurde, um sie zu streicheln und offen schwimmend in´s Meer zu entlassen. Wir verhielten für fünf Minuten und sahen den kunstvollen Bewegungen eines der schönsten Meereswunder zu, um dann von weiteren Mantas gestört zu werden. Wieder einen sicheren Halt an einer Riffkante suchend, griff ich nach einem Felsstück, ohne das Loch zu bemerken, aus dem blitzschnell eine kleine Muräne hervorschnellte und mir in den Mittelfinger biss. Autsch! Sofort stiegen kleine Fähnchen “grünen” Blutes in´s Meereswasser auf und mein erster Gedanke galt den Haien, die wir zu Beginn gesehen hatten!

Zeit zum Abschied von einem Tauchgang der außergewöhnlichen Art. Den Kopf wieder über Wasser  entließen wir alle einen Aufschrei des Glücksgefühls, was selbst den Bootsführer in sicherer Entfernung zu unserer Tauchboje erschauern ließ. “Fucking shit Mantas” steht nun in meinem Logbuch, was uns an ungezählte Rochen dieser Art erinnern soll, die fast zur Nebensache dieses Tauchgangs wurden!

Der zweite Abstieg dieses Tages wurde geprägt von fünf Schildkröten, eine von ihnen mit einem

Biss-Mal am Panzer, unzähligen Langusten, Barschen und einem Engelshai. Ein Traum für jeden Hurghada-Taucher, für uns heute nur ein geruhsamer Ausklang eines atemberaubenden Tauchtages!

Dann kam der vorletzte Tag und es hieß Abschied nehmen. Wir entschieden uns nochmals auf Abenteuer zu gehen, da der bewölkte Himmel schon verriet, die Mission “Walhai” wird wohl nicht von Erfolg gekrönt werden., denn nur bei glatter See und Sonnenschein kann man die dunklen Flecken vom Boot aus aufspüren. Mit “Ex-Stacey” erwählten wir ein Riff, das noch nahezu jungfräulich ist und kaum erkundet wurde und gerade deshalb viel Spannung verriet.

Eine Schildkröte eröffnete den Reigen. Ein Schwarm hunderter Königsmakrelen deutete auf Jäger und wirklich, zehn Meter vor uns zog eine Schwarzspitze seine Bahn. Wir suchten Schutz hinter einer Kante und bemerkten noch einen Hai! Wie Schwerter blitzten seine Bauch- und Rückenflossen. Erneut ein großer Sandhai, eine Art, die als sehr selten beschrieben wird und hier Ausmaße zeigt, die gewaltig und Respekt einflößend sind. Mit großem Bogen hielt er erneut auf uns zu und wer glaubt, dem Hai tags zuvor sehr nahe gekommen zu sein, irrt! Aber gewaltig. Seine Augen und sein leicht geöffnetes Maul fest fixiert, schwamm er auf uns zu, um den vermeintlich Schwächsten aus unserer Gruppe auszumachen. Nur eine Armlänge von mir entfernt, glitt er an uns vorüber. Unser Dive-Master zog bereits sein Bein an, um dem Hai notfalls einen Nasenkick geben zu können. Doch unser Freund blieb ruhig, weil wir wahrscheinlich das Selbe taten. Das Display unserer Unterwasser-Kamera wurde von ihm voll ausgefüllt und wir nahmen Abschied von einer Welt, die noch gesund und in Ordnung scheint.

Ein am Horizont vorbeiziehender chinesischer Fischkutter verriet jedoch, dass auch hier der Kommerz wohl Spuren im Meer hinterlassen wird.

Auch deshalb steht schon heute fest, wir kommen bald wieder und treffen ihn dann: unseren Walhai!!!

Fortsetzung Reisebericht - Big-Five Safari im “Kruger Nationalpark”

Das sich die nächsten 2 Tage bis zu unserem Rückflug nach Deutschland ereignen sollte, stand den Erlebnissen unter  Wasser in Keinem nach. Wir entschlossen uns nach Maputo, der Hauptstadt Mosambiks zurückzufliegen und von da aus mit einem Leihfahrzeug die Grenze zu Südafrika zu überqueren. Der im Grenzbereich liegende und sich über fast 400 km erstreckende “Kruger Nationalpark” war unser Etappenziel.

 Nun galt es Sachen packen, kurz frühstücken und ab in den Pick-up, wie wir befürchteten, hinten auf der Ladefläche! Die Herzlichkeit, mit der uns nicht nur die Kinder am Straßenrand zuwinkten, war ebenso beeindruckend, wie die Leichtigkeit des Flughafenpersonals, uns davon in Kenntnis zu setzen, dass keine Passagiere von Maputo nach Inhambane reisten und demzufolge der Flug kurzerhand gestrichen wurde! Doch es bestand ein Hauch von Hoffnung, dass auf Grund einer Doppelbuchung zwei Sitzplätze in der Maschine frei sein könnten, die in vielleicht drei bis vier Stunden über Vilanculos nach Maputo fliegen sollte. Uns war alles recht, wir hätten selbst mit einem Stehplatz Vorlieb genommen, denn der nächste Flieger würde erst übermorgen gehen!

Wir hatten Glück und erwarben zu einem verträglichen Mehrpreis zwei der voll belegten Sitzplätze. Unser Vertrauen, noch heute Abend zurück in die Zivilisation zu kehren, wurde auch nicht durch das nun folgende Betankungsprozedere zerstört. Die Tankwagen fuhren vor, zwei Sackkarren mit BP-Treibstoff-Fässern, einer Klappleiter, Handpumpe und Befüllschlauch! Einfach atemberaubend, wie unbürokratisch die Abfertigung der Maschine ablief. Nach einem ebenso lockeren Zwischenstopp in einer weiteren Oase entlang der Ostküste ging es nun nach Maputo, in ein Hotel der Mittelklasse mit guter Küche, klimatisierten Zimmern und mückenfreier Nacht!

Das Fahrzeug, welches uns aus Privathand nebst Fahrer gestellt wurde, brachte uns am nächsten Morgen zur Grenze. Die Einreiseformalien erstreckten sich über geraume Zeit, geschuldet unseres schwarzen Freundes, unserer Sprachvielfalt (Zulu, Portugiesisch, African, Englisch und Deutsch) und des fahrbaren Untersatzes aus Fremdbesitz. Schnell noch einmal voll tanken und auf geradem Weg zu den Big Five. Schon kurz nach der Passage des Haupt-Gates eröffnete sich uns die Tiervielfalt Afrikas. Auf der Zufahrt nach Berg en Dal, einem der schönsten Ressorts im Park, begegneten wir Giraffen, Emballas, einem Elefanten und exotischem Federvieh.

Noch am selben Abend buchten wir eine Nachtsafari und waren dabei vom Glück verfolgt. Unser Wildpark-Ranger, gerade erst nach einem Schlangenbiss durch einen Schkink wieder aus dem Krankenhaus entlassen, führte uns zu seinen Lieblingsplätzen, vorbei an ganzen Nashorn-Familien, Giraffen, See-Adlern, Gnus und tausenden von Emballas, dem Lebendfutter hier im Busch.

Es dunkelte rasch und wir schalteten unsere Spot-Lights ein, um den Wegesrand und die Baumkronen nach den Jägern des Dschungels abzusuchen. Niedergetretene Pfade wiesen immer wieder auf Großwild 

hin, den Weg mit Spuren und Kot zeichnend und plötzlich waren sie da. Wie aus dem Nichts wurden wir passiert von einer Gruppe von neun Löwen, eine Löwin mit ihrem Baby zur Seite und verfolgt von “Beauty”, ein vor Kraft und Schönheit protzender Löwe, der sich für wenige Minuten an einem Wasserloch niederließ, um dieses wie es schien leer zu trinken. 

Der Reiz dieser kontrollierten Gefahr, wie wir ihn vor wenigen Tagen erst in den Tiefen des Ozeans verspürten, ließ das Adrenalin abermals in unsere Adern fließen. Diese Glück genießend und vereint mit der Wildnis versuchten wir in den Schlaf zu finden, besäuselt von den Geräuschen des nächtlichen Busches.

Leider stand uns das Familienhaus nur einen Tag zur Verfügung, also machten wir uns auf die Suche nach unserer nächsten Bleibe, denn nur noch diese eine Nacht sollte uns der Urwald Südafrikas beherbergen. Lower Sabie hieß die Lodge unserer Wahl und bot uns auf dem Weg dahin nahezu all die Vielfalt der hier lebenden Tierwelt. Abermals Nashörner, Giraffen, Flusspferde, Affenherden, Schildkröten, eine Löwin, die sich als Einzelgängerin durch das mannshohe Gras schlich, Zebras, Gnus, Wasserbüffel, ein Cameleon und eine riesige Elefantenherde. Alles in nur wenigen Stunden langsamer Fahrt entlang der gut ausgeschilderten Pisten des größten Tierparks der Erde!

Glück gehabt - oder doch nur eine Einladung an alle Natur- und Tierliebhaber, dieses gesunde und harmonische Miteinander zu studieren und die Sinne dafür zu schärfen, zukünftig selbst noch umwelt-bewusster zu leben ?!

Geweckt von umhertollenden Affenkindern wurde es nun Zeit, dieses Paradies auf Zeit wieder zu verlassen. Ein letztes Mal verzauberten uns Zebras und verschmitzt in unsere Kamera blickende Giraffen als es plötzlich hieß: “Halt! Halt! Fahr noch einmal zurück!” Wie konnten wir ihn nur übersehen? Ein riesiger “Grauer Berg” stand nur unweit der Straße und war damit beschäftigt, Tonnen des saftigen Buschgrases in sich hinein zu stopfen. Der Elefantenbulle gewährte uns die schönsten Fotos, frontal vor uns stehend und seine Ohren wie zum Gruß zur Seite gestellt.

Seit diesem Tag ziert er den Bildschirm meines Computers und nährt mein Verlangen, ihn noch einmal zu besuchen. Fern ab, die Natur immer weiter verdrängender Zivilisation, fanden wir für einige Tage Erholung und wurden fasziniert durch intakte Biotope und Wildnis zum Erleben.

Das nun ist Afrika - so einfach, so natürlich, mitunter lebensfeindlich und doch unendlich schön. Wenn doch wir Menschen uns als einen Teil dieses Ganzen verstehen würden, hinwegsetzend über ökonomische und kulturelle Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen, die Natur genießend und nicht nur ausbeutend! Wir könnten dazu beitragen, dass auch unsere Kinder und wiederum deren Kinder in der Lage wären, die hier beschriebenen Gefühle zu teilen und zu verstehen.   

Urheber-Rechte:
Sylvio Jauch . Hüttengrund 65b • 09337 Hohenstein-Ernstthal • Tel.: 0172 370 51 61

zurück